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KI in Pharma und Healthcare: Mehr Wollen als Können

KI in Pharma: Der Wille ist da, doch die Vorbereitung fehlt noch weitgehend. Eine Studie der Adecco Group zeigt, dass die Branche zwar das Potenzial künstlicher Intelligenz erkannt hat, bei Führung, Qualifizierung und Governance jedoch erhebliche Defizite aufweist. Nur 13% der Unternehmen aus Healthcare, Life Sciences und Pharma gelten als "future-ready". Gleichzeitig sehen Beschäftigte KI deutlich optimistischer als vielfach angenommen.

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Die Gesundheitswirtschaft gilt als einer der Bereiche, in denen künstliche Intelligenz die größten Veränderungen bewirken dürfte – von der Wirkstoffentwicklung über klinische Studien bis zur Produktion und Patientenversorgung. Ausgerechnet dieser Sektor ist auf den Wandel jedoch nur unzureichend vorbereitet. Das ist das zentrale Ergebnis einer aktuellen Studie der Adecco Group, einer der weltgrößten Personaldienstleister, über den Einsatz von KI in Healthcare, Life Sciences und Pharma.

Demnach erfüllen lediglich 13 % der Unternehmen die Kriterien einer „future-ready“-Organisation. Diese Unternehmen zeichnen sich durch eine Kombination aus strategischer KI-Nutzung, qualifizierten Führungskräften, einer anpassungsfähigen Belegschaft und einer klaren Talentstrategie aus. Die überwiegende Mehrheit befindet sich dagegen noch in einer frühen Phase der Transformation.

Führungskräfte hinken der Entwicklung hinterher

Besonders kritisch bewertet die Studie die Rolle des Managements. Zwar zählen KI-Agenten, Automatisierung und wirtschaftliche Unsicherheit zu den wichtigsten Trends, welche Führungskräfte in den kommenden fünf Jahren erwarten. Gleichzeitig fehlt vielerorts das notwendige Rüstzeug, um diese Entwicklung aktiv zu gestalten. Weniger als die Hälfte (44 %) der Führungskräfte hat im vergangenen Jahr an einem speziell auf KI zugeschnittenen Trainingsprogramm teilgenommen.

Hinzu kommt, dass 42 % der Unternehmen bislang keine verbindlichen KI-Richtlinien besitzen. Mitarbeitende entscheiden dort weitgehend selbst, wie sie KI im Arbeitsalltag einsetzen – ein riskanter Zustand in einer stark regulierten Branche, in der wissenschaftliche Nachvollziehbarkeit und Datenintegrität zentrale Anforderungen darstellen.

Nach Einschätzung der Autoren entsteht dadurch eine gefährliche Lücke zwischen technologischem Fortschritt und organisatorischer Reife. Gerade Pharma- und Life-Science-Unternehmen könnten es sich aufgrund regulatorischer Vorgaben und hoher Qualitätsanforderungen nicht leisten, KI ohne klare Governance-Strukturen einzuführen.

Beschäftigte deutlich optimistischer als erwartet

Bemerkenswert ist dagegen die Haltung der Beschäftigten. Anders als häufig angenommen, dominiert nicht die Sorge vor Arbeitsplatzverlusten. 73 % der Befragten erwarten vielmehr, dass KI zusätzliche Arbeitsplätze schaffen wird, während 61 % davon ausgehen, dass bestehende Tätigkeiten sich verändern werden. 86 % zeigen sich bereit, ihre Arbeitsweise an den Einsatz von KI anzupassen.

Viele Beschäftigte erleben laut Adecco-Studie bereits heute konkrete Vorteile. Im Durchschnitt sparen sie durch KI-Anwendungen täglich etwas mehr als zwei Stunden Arbeitszeit. Diese Zeit fließt vor allem in strategischere Aufgaben oder in Weiterbildung. Gleichzeitig geben 72 % an, dass ihr Wissen über KI inzwischen größer sei als das Schulungsangebot ihres Arbeitgebers. Nur rund ein Drittel fühlt sich aktiv in die Einführung neuer KI-Anwendungen eingebunden.

Auch das Vertrauen bleibt ausbaufähig. Die Beschäftigten bewerten das Vertrauen in den KI-Einsatz ihrer Arbeitgeber lediglich mit 4 von 10 Punkten. Nach Ansicht der Autoren fehlt vielerorts eine transparente Kommunikation darüber, warum KI eingeführt wird, welche Aufgaben automatisiert werden und welche Rolle der Mensch künftig übernimmt.

KI verändert die gesamte Wertschöpfungskette

Die Studie beschreibt KI nicht als Zukunftstechnologie, sondern als Werkzeug, das bereits heute nahezu alle Bereiche der pharmazeutischen Wertschöpfung beeinflusst. Beispiele reichen von automatisierten Literaturauswertungen im Medical Affairs über die Identifizierung geeigneter Studienteilnehmer bis hin zu KI-gestützten Assistenten in der Produktion, die Standardarbeitsanweisungen bereitstellen oder Anlagen überwachen. In nahezu allen Fällen verschiebt sich der Schwerpunkt der Arbeit vom manuellen Bearbeiten hin zur Kontrolle, Interpretation und Entscheidungsfindung.

Die Autoren erwarten deshalb weniger einen massiven Personalabbau als vielmehr eine grundlegende Veränderung von Berufsbildern. Benötigt würden künftig hybride Qualifikationen, die naturwissenschaftliche Expertise mit Datenkompetenz und digitalem Verständnis verbinden.

Talent wird zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor

Für die Unternehmen ergibt sich daraus vor allem eine organisatorische Herausforderung. Lediglich 43 % fördern derzeit gezielt interne Mobilität ihrer Mitarbeitenden, und nur 39 % bieten alternative Karrierewege jenseits klassischer Hierarchien an. Nach Ansicht der Studie erschwert dies die Anpassung an neue Kompetenzprofile erheblich.

Als zentrale Erfolgsfaktoren identifiziert Adecco deshalb fünf Handlungsfelder: Vertrauen schaffen, Führungskräfte weiterbilden, Beschäftigte systematisch qualifizieren, belastbare Datenstrukturen aufbauen und den Erfolg der KI-Einführung kontinuierlich messen. Für die Life-Science-Industrie stellt sich damit zum wiederholten Male nicht die Frage, ob KI eingeführt wird, sondern wie schnell Unternehmen ihre Organisationen auf den Wandel vorbereiten. Denn die Studie legt nahe, dass der eigentliche Engpass künftig nicht die Technologie selbst sein wird, sondern die Fähigkeit, Menschen, Prozesse und Governance an die neue Arbeitswelt anzupassen.

Viele Arbeitnehmer haben längst verinnerlicht, dass Prozesse und Unternehmensstrategien ohne KI(-Bestandteile) nicht mehr zukunftsfähig sind. Es liegt an den Unternehmern selbst die richtigen Hebel umzulegen, um von der KI-Welle nicht weggespült zu werden.

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